Die Reihe »Schwanenwik goes Schulterblatt« präsentiert mit Wlada Kolosowa und Nicol
Lubić zwei Schriftsteller, die als Journalisten gestartet sind und mit feiner Ironie schwere
Themen anpacken:

Wlada Kolosowa erzählt in ihrem Romandebüt »Fliegende Hunde«
(Ullstein) von Lena und Oksana, »BFFs« aus einem Vorort von St. Petersburg. Lena schmeißt
die Schule und verdingt sich in Shanghai als Model – weil die Chinesen verrückt auf blasse
»Russian dolls« sind. Oksana bleibt in Krylatowo, vermisst Lena und will dünn werden. Sie
versucht es auf leningrad-diet.ru (»Gewichtsverlust wie in der Hungersnot!«) und wird zur
Expertin der Blockadezeit, als die Menschen Suppe aus Tapetenkleister kochten,
Lederhandtaschen und ihre Haustiere aßen.

Auch Nicol Ljubić verarbeitet in seinem vierten Roman ein reales Ereignis. Hanno
Kelsterberg will nach dem Tod seiner Mutter begreifen, warum seine Familie einst
auseinanderbrach: Als der Politaktivist und Kernkraftgegner Hartmut Gründler Mitte der
siebziger Jahre in die Kellerwohnung der Familie einzog, politisierte sich die Mutter
zunehmend, während der Vater mit dem »grünen Spinner« nichts anfangen konnte. Nach
Briefen an Helmut Schmidt, zahllosen Flugblättern und Hungerstreiks sah Gründler nur
noch einen Ausweg in der unfassbarsten aller Protestformen: »Ein Mensch brennt« (dtv).
Beide Romane eint ihr präzises Geschichtsbewusstsein, mit dem sie ausloten, wie der eigene
Körper gleichzeitig Macht und Ohnmacht demonstrieren kann.

Moderation: Antje Flemming